Demotivations­beraterin – WTF?

„Guten Tag, Maria Thorwartl, Demotivationsberaterin“

Mit diesem Satz stelle ich mich seit einiger Zeit bei unterschiedlichen Menschen vor und ernte dabei meist zwei unterschiedliche Gesichtsausdrücke:

  • Mein Gegenüber sieht mich ziemlich irritiert an
  • Mein Gegenüber lacht

Ein bisschen kann ich die Reaktionen auf meine Vorstellung schon verstehen. Eine Demotivationsberaterin ist aber auch wirklich nichts Alltägliches. Deshalb nutze ich hier die Gelegenheit, um euch einen privaten Einblick in meinen beruflichen Tag als Demotivationsberaterin zu ermöglichen:

Der Tagesablauf einer Demotivationsberaterin

5:50 Uhr – Der Wecker klingelt und ich hüpfe aus dem Bett. Morgens bin ich meistens schnell auf den Beinen – vor allem deshalb, weil es jetzt im Bad noch ganz ruhig ist und ich ein paar Minuten Zeit für mich habe. In ein paar Minuten werde ich meine Kinder wecken und dann geht es richtig rund 🙂 Wo ist noch mal das Leibchen mit den Superhelden, kannst du mir mit der Strumpfhose helfen, ich brauche einen neuen Pulli, weil irgendwie eine halbe Tube Zahnpasta drauf gelandet ist, kannst du mir bitte Zöpfe flechten – nein nicht solche, ich wollte zwei (oder einen – je nachdem was ich gemacht habe), wo ist mein Jausenbrot, nein das mag ich nicht, ich will ein Käsebrot,… Tja, ein ganz normaler Morgen halt (alle Eltern lächeln jetzt bestimmt und können sich den morgendlichen Start sicherlich gut vorstellen).

7:45 Uhr – Meine Kinder sind aus dem Haus, die gröbste Schweinerei in der Küche beseitigt und der Kaffee dampft in meiner Lieblingstasse. Herrlich, jetzt kann ich loslegen. Auf mich wartet erstmal ganz normale Büroarbeit. E-Mails beantworten, Angebote erstellen und Rechnungen schreiben.

8:25 Uhr – Ich kontrolliere noch schnell, ob ich in meiner Tasche alle Unterlagen für meinen Kundenbesuch mithabe, dann geht´s auch schon los. Mit dem Auto fahre ich zu meinem ersten Termin heute. Mit diesem Kunden hatte ich bereits ein Kennenlerngespräch und wir waren uns auf Anhieb sympathisch. Er hat mir auch schon einige Informationen über das Unternehmen gegeben, die ich in der Vorbereitung genau studiert habe.

8:58 Uhr – Pünktlich bin ich bei meinem Kunden vor Ort. Herr Birgmann (Name geändert) stellt mir das Unternehmen und auch das Problem aus seiner Sichtweise vor. Ich mache mir Notizen, höre ganz genau hin und stelle viele Fragen. Nach etwa einer Stunde habe ich genug Informationen für einen groben Überblick. Auch wenn viele Dinge bereits offensichtlich sind, weiß ich aus Erfahrungen, dass es fatal sein kann, hier nicht weiter nachzuforschen. Nicht immer ist der erste Blick auch richtig, denn erst in Kombination mit anderen Eindrücken und Informationen kann ich mir ein klares und wahrheitsgetreues Bild machen.

Deshalb vereinbaren wir einen weiteren Termin, bei dem ich die betroffenen Mitarbeiter kennen lernen darf und die Sichtweise der Mitarbeiter präsentiert bekomme. Ich merke sofort, dass die Firma ihr Energieproblem ernsthaft in den Griff bekommen möchte, so viel Offenheit und Transparenz ist schon beachtenswert. Anschließend bekomme ich eine Firmenführung. Dieser Part hilft mir, einige angesprochene Punkte besser zu verstehen und ein Gesamtbild zu erhalten.

10:50 Uhr – Ich verabschiede mich von Herrn Birgmann und fahre gleich direkt weiter zu Frau Müller (Name geändert). Sie hat mir vor ein paar Tagen eine Kontaktanfrage via E-Mail geschickt und deshalb treffe ich sie heute zum ersten Mal. Frau Müller wollte nicht, dass wir uns in der Firma besprechen, deshalb steuere ich den Parkplatz eines kleinen Cafés an.

Bevor ich eintrete, muss ich lächeln. Ich denke an das Treffen mit einem Kunden vor ca. 8 Jahren. Auch mit ihm habe ich mich in diesem Café getroffen, nur dass ich damals in der unglücklichen Lage war, dass ich nicht wusste, wie er aussah. Genau an diesem Tag waren 4 Tische mit einzelnen Männern besetzt, die alle in ihre Zeitung vertieft waren. Ich habe mich dann einfach durchgefragt, ein bisschen peinlich war es mir aber schon ;-). Dieses Mal weiß ich, wie Frau Müller aussieht. Was ich jedoch nicht weiß, ist, welche Sorgen und Ängste sie zu dem Entschluss gebracht haben, mich zu kontaktieren.

11:00 Uhr – An einem Tisch in der Ecke sitzt eine Frau, ca. 45 Jahre alt, hellblaue Bluse, dunkelblaue Hose, kurze blonde Haare, attraktiv. Sie sieht mich hereinkommen und noch bevor ich mir sicher sein kann, dass es sich um Frau Müller handelt, lächelt sie mich an. Frau Müller erzählt mir, dass sie die Firma vor etwa 3 Jahren von ihrem Vater übernommen hat. Der Umsatz des produzierenden Unternehmens steigt, genauso wie die Anzahl der Mitarbeiter. Dennoch hat sie das Gefühl, dass ihre Mitarbeiter in den letzten Monaten nicht mehr gerne zur Arbeit kommen. Zusatzaufgaben will keiner mehr übernehmen, eine Leiterfunktion kann schon länger nicht intern besetzt werden, ständig kommen horrende Lohnforderungen und als sie vor zwei Wochen den Betriebsausflug absagen musste, weil sich auch nach mehrmaligem Nachfragen nur 10 % der Mitarbeiter angemeldet haben, hat sie entschieden, dass sie so nicht weiterarbeiten möchte.

Man kann Frau Müller ansehen, wie sehr sie diese Situation beunruhigt und auch persönlich schmerzt. Auch wenn ich tausend Fragen habe, weiß ich, dass ich ihr in dieser Phase Zeit geben muss, damit sie mir alles genau erzählen kann. Unterbrechungen können wertvolle Informationen zurückhalten. Als wir den zweiten Kaffee ausgetrunken hatten, stand für uns beide Seiten fest, dass wir weiter zusammenarbeiten möchten. Dafür vereinbaren wir einen Termin in 10 Tagen, direkt in der Firma.

12:15 Uhr – Mit gemischten Gefühlen verlasse ich das Kaffeehaus. Zum einen freue ich mich über eine spannende Herausforderung, zum anderen konnte ich den Kummer von Frau Müller ganz deutlich fühlen. Ich fahre in mein Büro. Dieses ist glücklicherweise in unserem Wohnhaus, denn ich habe Hunger und mache mir die Suppe vom Vortag warm – Buchstabensuppe lieben meine Kinder. Prompt habe ich auch gleich eine Botschaft erhalten 🙂

13:15 Uhr – Ich sitze wieder vor dem Laptop und beantworte E-Mails. Anschließend arbeite ich meine Notizen von meinem Termin mit Herrn Birgmann durch und erstelle ein Grobkonzept für Frau Müller. Dieser Teil der Arbeit macht mir besonders Spaß, denn die Bedürfnisse der Unternehmen sind unterschiedlich und facettenreich. Beispielsweise hat mir Herr Birgmann erzählt, dass es seiner Firma während der Finanzkrise finanziell schlecht ging und er gemeinsam mit einem Berater einige seiner Mitarbeiter entlassen musste. Die verbliebenen Mitarbeiter haben daher Ängste und Befürchtungen, auch wenn die finanzielle Situation des Unternehmens mittlerweile gesund und erholt ist. Ich weiß, dass ich hier besonders behutsam vorgehen muss.

15:00 Uhr – Ich hole meine Kinder ab, erledige gleich noch den Einkauf und bringe ein paar Briefe zur Post. Anschließend möchten meine Kinder gemeinsam kochen. Die obligatorischen Palatschinken kann ich ihnen ausreden und wir machen einen Nudelauflauf. Rein ins Rohr.

17:00 Uhr – Mein Mann kommt von der Arbeit heim und wir trinken einen gemeinsamen Kaffee. Lange können wir nicht plaudern, denn ich habe heute noch einen Abendtermin. Deshalb gehe ich duschen, ziehe mich um und versuche, meine Haare in Form zu bringen. Dann düse ich los zu einem Demotivations-Impulsvortrag für Wirtschaftstreibende im Nachbarbezirk.

18:45 Uhr – Der Raum füllt sich, auf einem kleinen Tisch steht mein Demotivationskoffer. Er ist geschlossen und lädt zu Spekulationen ein. Ich sehe ein paar bekannte Gesichter und freue mich schon auf die anschließenden Gespräche. Doch zuerst konzentriere ich mich auf den Vortag „Wie werde ich sie alle los? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Mitarbeiter-Demotivation“.

22:30 Uhr – Ich bin wieder zu Hause. Der Vortag ist toll gelaufen. Die Teilnehmer haben intensiv mitgearbeitet und wir haben viel gelacht, aber an den Reaktionen konnte ich auch erkennen, dass sich einige ertappt gefühlt haben. So ist das halt bei ironischen, beinahe schon satirischen Impulsen. Anschließend hatte ich noch einige nette Begegnungen. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen von Demotivation betroffen sind. Aber heute will ich nicht mehr darüber nachdenken. Ich falle ins Bett und schlafe mit dem sinnvollen Gefühl ein, dass ich heute wieder einen gesellschaftlichen Beitrag geleistet habe.

Gute Nacht

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