Gehaltserhöhung bei innerer Kündigung?

Die Krux mit der Gehaltserhöhung

Kann Geld die innere Kündigung aufheben?

Alexander ist 38 Jahre alt und arbeitet seit fast vier Jahren in der IKT-Abteilung eines mittelständischen Produktionsbetriebs. Vor etwa zwei Jahren hat er seinem Abteilungsleiter beim jährlich stattfindenden Mitarbeitergespräch von seinen Entwicklungsideen für die Abteilung erzählt. Er hatte vor, den Software- und den Hardware-Bereich zu teilen, um damit zwei kleinere Teams zu schaffen. Diese sollten Projekte eigenständiger abwickeln, als es derzeit der Fall gewesen war. Der Chef nahm die Idee interessiert auf, eine Aufgabenteilung wurde personell durchgeführt, jedoch waren in der Hierarchie wieder alle Mitarbeiter dem bisherigen Abteilungsleiter unterstellt.

 

Ein Jahr später wagte Alexander einen erneuten Vorstoß. Er teilte seinem Vorgesetzten mit, dass er mehr Verantwortung übernehmen und gerne das Team Software leiten wolle. Da der Chef selbst aus dem Bereich Hardware kam, hörte er sich diesen Vorschlag aufmerksam an – eine strukturelle Veränderung kam jedoch auch nach einem halben Jahr nicht zustande.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Alexander sehr geschmeichelt fühlte, als eine Partnerfirma bei einem gemeinsamen Termin anmerkte, dass sie auf der Suche nach einem ERP-Teamleiter seien und sie sich gut vorstellen könnten, dass Alexander diese Funktion übernehmen solle.

Er prüfte das Angebot genau: die Bezahlung war besser, die Aufgaben klangen spannend, der Arbeitsweg war in etwa gleich lang. Dennoch war er unsicher, was er machen sollte. Schließlich war es schon länger in seiner bisherigen Firma und konnte sich mit deren Werten gut identifizieren. Immer noch unsicher suchte er das Gespräch mit seinem Vorgesetzten und erzählte ihm, dass er ein gutes Angebot hätte, welches er auch annehmen wolle. Sein Chef lenkte sofort ein und versprach ihm nicht nur eine Gehaltserhöhung, sondern auch die bereits zuvor gewünschte Leitung des Software-Teams.

Nun war die Entscheidung für Alexander klar, er sagte der anderen Firma ab und freute sich auf die neue Herausforderung. Die Details mussten zwar noch fertig verhandelt werden, aber er war zuversichtlich, dass er nun erreicht hatte, was er wollte.

Der neue Dienstvertrag für Alexander beinhaltete eine All-In-Vereinbarung, sowie eine damit verbundene Erhöhung seines Bruttolohns um 500 Euro. Mit so einer großen Summe hatte er gar nicht gerechnet. Voller Elan startete er in seine neue Aufgabe.

Bereits am ersten Tag war klar, sein Arbeitsablauf war fast ident mit seinem bisherigen. Das Team bestand aus vier Spezialisten, die Software-Spezifikationen programmierten. Er als Teamleiter hatte zusätzlich die laufende Anpassung und Entwicklung des ERP-Systems samt Produktions-Modul als Aufgabe. Voll motiviert führte er wöchentliche Besprechungen und einige Kennzahlen ein. Operativ hatte sich an seiner Arbeit jedoch so gut wie nichts geändert. Nach wie vor musste er jegliche Budgetausgaben mit seinem Abteilungsleiter besprechen und von ihm freigeben lassen.

Eine gravierende Auswirkung hatte die neue Herausforderung jedoch, die er vorher in keinster Weise bedacht hatte. Durch seinen All-In-Vertrag schrumpfte seine Freizeit, was ihn besonders schmerzte, da er unlängst Vater geworden war und er seinen Sohn am Abend meist bereits schlafend antraf.

Nach fünf Monaten stand wieder das alljährliche Mitarbeitergespräch auf dem Plan und Alexander musste sich eingestehen, dass die erkämpfte neue Position seine Motivation und Leistungsbereitschaft langfristig nicht gehoben hatte. Er war wieder an dem Punkt, an dem er Stellenangebote las, seinen Lebenslauf aktualisierte und auf ein gutes Angebot wartete.

Nun hatte Alexander eigentlich alles erreicht, was er für sich als erstrebenswert definiert hatte. Er arbeitete in einer Firma, die ihm gefiel, er verdiente gutes Geld und er durfte (scheinbar) Verantwortung übernehmen. Dennoch verursachten die aufgezwungenen Rahmenbedingungen so großen Unmut, dass die anfängliche Euphorie bereits nach wenigen Wochen verflogen war.

Ist Geld und Status vielleicht doch nicht alles?

Setzen sich Mitarbeiter intensiv mit einer möglichen Kündigung auseinander, dann können sie durchaus mit einer Gehaltserhöhung geködert werden. Bald wird diese Belohnung jedoch an Wichtigkeit verlieren und die wahren Gründe, warum vorher eine Kündigung in Erwägung gezogen wurde, treten wieder nach vorne. Manchmal sogar noch intensiver als zuvor.

Deshalb rate ich allen Unternehmen, die Wünsche, Ängste und Anregungen der Mitarbeiter ernst zu nehmen und diese nicht mit einem Bündel Geldscheine abzuspeisen. Denn dadurch wird das Problem lediglich vertagt, ganz sicher aber nicht gelöst.

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