Best practice: Neue Motivation durch Demotivations­beratung

Firma Schwarzmüller hat es geschafft…

 

Zwei Wochen vor Weihnachten konnte ich einen wahrlich spannenden Fall abschließen, der meinen Kunden und mich lange Zeit beschäftigt und uns beide enorm herausgefordert hat. Umso mehr freut es mich, dass wir nach einem abschließenden Meeting auch die Kontrolle der definierten Maßnahmen als erledigt betrachten konnten. Aber von vorne (bitte um Verständnis, dass der Firmenname sowie die personenbezogenen Daten geändert wurden):

 

Im März 2018 traf ich mich mit Herrn Ernst Schwarzmüller, Geschäftsführer der Schwarzmüller GmbH. Er leitet dort seit 8 Jahren das Unternehmen, welches er von seinem Vater übernommen hat. Gemeinsam mit seinen 43 Mitarbeitern produziert er technische Bauteile. Das Unternehmen ist ISO 9001 zertifiziert, technisch modern eingerichtet und die Arbeitsprozesse wurden vor kurzem überarbeitet und optimiert. Eigentlich ein Vorzeigeprojekt, wenn nicht bei der Konzipierung auf eine Komponente bei Prozessänderungen vergessen worden wäre: die Kultur des Unternehmens.

 

Die Prozesse sind optimiert, die Mitarbeiter geschult und alle notwendigen Hilfsmittel (Checklisten, Whiteboard,…) beschafft worden. Nur dass die alten Strukturen der Unternehmenskultur nicht „aktualisiert und überarbeitet“ wurden. So war in den Köpfen der Mitarbeiter noch die alten Vorgehensweisen, Blockaden und Vorurteile gespeichert. Die neuen Prozesse waren zwar umgesetzt, aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit wurde versucht, die alten Regeln wieder aufleben zu lassen. Das konnte nicht lange funktionieren. Die Mitarbeiter beschuldigten sich gegenseitig, zu blöd für die neue Arbeitsweise zu sein, und dem Chef wurde Inkonsequenz vorgeworfen. Als dann auch die jährlichen Bonuszahlungen niedriger ausfielen als die Jahre zuvor, war die Demotivation der Mitarbeiter perfekt.

 

Herr Schwarzmüller war immer schon ein Mensch mit viel Gespür für seine Mitarbeiter, deshalb merkte er bereits sehr früh, dass sich etwas zusammenbraut. Gemeinsam mit seinem Prozessberater entschied er jedoch, erst einmal den formalen Ablaufänderungen eine Chance zu geben und ein paar Wochen verstreichen zu lassen. Dann kündigte der erste Mitarbeiter und gab an, ein besseres Angebot zu haben, bei dem der Arbeitsweg kürzer sei. Dann folgte ein zweiter, der ebenfalls ein gutes Angebot mit mehr Sozialleistungen erhalten hat. Die dritte Kündigung schmerzte richtig, denn nun ging der technische Leiter, angeblich weil er schon länger vorhatte, sich selbstständig zu machen und jetzt der richtige Zeitpunkt für ihn gekommen wäre. Insgesamt gab es fünf Kündigungen innerhalb von vier Monaten – für ein Unternehmen dieser Größe ein leidvoller Verlust.

 

 

Wir trafen uns im Büro von Herrn Schwarzmüller und mir fiel gleich die karge Büroausstattung sowie der volle Schreibtisch auf. Vor mir saß ein Mann, der in seinem Leben immer fleißig gearbeitet hatte und nicht viel Wert auf Prestige legt. Etwas verhalten erzählte er mir von seinen Problemen, wobei die Beschreibungen eher oberflächlich und zaghaft kamen. Es war offensichtlich, dass ihm die Situation  unangenehm war und er eigentlich zurück in die Werkstatt möchte. Für mich war eindeutig erkennbar, dass Herr Schwarzmüller Unterstützung braucht, denn er sah die Probleme logischerweise nur aus Sicht des Chefs. Mit viel Fingerspitzengefühl fand ich heraus, dass er sich von seinen Mitarbeitern betrogen fühlte, weil diese ihn gegen eine andere Firma eingetauscht hatten.

 

Bei einem zweiten Termin überreichte mir Herr Schwarzmüller die neu erstellten Prozessunterlagen, eine Mitarbeiterübersicht, sowie eine ausführliche Informationsmappe pro Fachabteilung. Mit diesem Wissen machte ich mich auf den Weg nach Hause zum Studium der Unterlagen. Uff…hard work… Nicht immer bekomme ich so perfekte Unterlagen, denn meistens ist die Dokumentation nur ein lästiges Muss. Nicht so bei der Schwarzmüller GmbH!

 

An einem Donnerstag war es dann endlich so weit, ich lernte die Teamleiter der Firma kennen. Wir nahmen uns einen Vormittag lang Zeit und analysierten die Firmensituation aus dem Blickwinkel der Führungskräfte. Ich war überrascht, wie ehrlich und wertschätzend der Umgang untereinander war. Bei so einem Termin kommt natürlich nicht nur Lob auf den Tisch – die Kritikfähigkeit, aber auch die Selbstreflektion war deshalb umso beeindruckender. Viele zusätzliche Facetten brachte dieser Termin ans Tageslicht, aber es war klar, dass ein Aspekt noch völlig fehlte…

 

Die Sichtweise der Mitarbeiter ist in so einem Fall natürlich die Entscheidende, dennoch war ich unsicher, welche Methode wir anwenden sollten. Aufgrund der Rahmenbedingungen der Firma war es nicht möglich, alle Mitarbeiter gleichzeitig zu einem Workshop einzuladen. Wir hätten diesen natürlich an einem Samstag stattfinden lassen können, dass hätte die Demotivation aber sicher noch belebt 😉

 

Ich entschied mich für Teamsitzungen und persönliche Gespräche und bekam die Erlaubnis, mich im Unternehmen völlig frei bewegen und mit jedem Mitarbeiter sprechen zu dürfen. Insgesamt fünf Tage verbrachte ich bei Teambesprechungen, Meetings und bei den Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz.

 

An solchen Tagen steigt mein Kaffeekonsum immer gewaltig an, denn wie in fast jeder Firma werden auch bei Schwarzmüller die wichtigen Infos beim Kaffeeautomaten ausgetauscht. 🙂

 

Nachdem ich mehrere Tage für die Analyse und den Endbericht Zeit gehabt hatte, traf ich mich wieder mit Herrn Schwarzmüller. Offen und ehrlich sprachen wir über die Ergebnisse (wobei ich die Mitarbeiternamen, von denen ich Informationen bekommen hatte, zwar für mich notierte, aber dem Chef nicht weitergab). Der Geschäftsführer machte sich viele Notizen, nickte zwischendurch, sprach aber nur wenig. Als ich fertig berichtet hatte, herrschte Stille. Da kam mir eine einfache, aber wie sich herausstelle, wirkungsvolle Idee:

 

Ich lud Herrn Schwarzmüller zu einem Spaziergang ein. Wir gingen einen Feldweg entlang. Nach etwa 10 Minuten brach er sein Schweigen und begann zu erzählen. Wir gingen über eine Stunde lang und ich hatte das Gefühl, die Bewegung und die frische Luft halfen ihm beim Denken. Als wir wieder in der Firma angekommen waren, fragte ich meinen Gesprächspartner, wie er nun weiter vorgehen möchte. Ob wir gemeinsam einen Plan erstellen sollten, oder ob er die Führungskräfte zunächst informieren möchte? Herr Schwarzmüller hatte es plötzlich eilig und verabschiedete sich mit den Worten: „Liebe Frau Thorwartl, danke für Ihre beeindruckende Hilfe. Ich melde mich bei Ihnen.“

 

Oje! Jeder Berater weiß, was das bedeutet – der meldet sich nie wieder.

 

Entgegen meinen Erwartungen rief mich nach 10 Tagen Herr Schwarzmüller an und bat mich um einen neuerlichen Termin – unbedingt im Firmengebäude. Jetzt war ich neugierig. Mittlerweile war es Oktober geworden und ich fuhr die breite Firmeneinfahrt hinauf. Herr Schwarzmüller war nicht wieder zu erkennen. Er strotze nur so vor Energie, sein Schreibtisch war aufgeräumt und mir fiel gleich auf, dass ein gerahmtes Familienfoto darauf stand. Aber nicht nur äußerlich hatte sich bei Herrn Schwarzmüller, seinen Führungskräften, seinen Mitarbeitern und der Firmenorganisation viel getan. In intensiven Analysegesprächen hatte sich Herr Schwarzmüller alle Punkte meines Berichts genau angesehen und diese hinterfragt. Viele kleine Sofortmaßnahmen entstanden daraus. Aber auch ein paar mittel- und langfristige Projekte.

 

Da staunte ich aber, denn mit so einer intensiven und genauen Aufarbeitung habe ich nicht gerechnet. Gemeinsam diskutierten wir noch darüber, wie Mitarbeiter in der Firma mehr Verantwortung übernehmen könnten und leiteten auch für diesen Punkt fixe Maßnahmen ab.

 

Ich verabschiedete mich von Herrn Schwarzmüller, doch bevor ich zum Auto ging, erlaubte ich mir einen letzten Kaffee beim Sozialtreffpunkt. Ich wollte einfach ein Gespür für die jetzige Situation der Mitarbeiter erhalten. Dort traf ich gleich 3 Arbeiter an, die alle angeregt diskutierten. Sie überschlugen sich fast bei der Beantwortung der Frage „Na, was tut sich?“ 🙂

 

Von ganzen Herzen wünsche ich der Firma Schwarzmüller GmbH alles erdenklich Gute.

Danke für das entgegengebrachte Vertrauen. Jetzt heißt es:

„Keep it up!“

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